Gelsenkirchener Werksakten sind wertvolle historische Quelle - Würdigung durch die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts
GE. Eine Blaupause des Kesselhauses für Schacht 2 der Zeche Nordstern ziert das Cover des kürzlich erschienenen Jahresberichts 2024/2025 der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK). Das Bild verweist auf das Projekt „140 Jahre Industrie- und Technikgeschichte der Stadt Gelsenkirchen gesichert“ des Instituts für Stadtgeschichte (ISG) – eines von 108 im Sonderprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Projekten. Die Reportage „Mit Werksakten ins Herz der Stadt“ der Wissenschaftsjournalistin Dr. Manuela Lenzen mit Bildern des Fotografen Alexander Labrentz stellt das Gelsenkirchener Projekt vor.
Lenzen betont die Bedeutung der Werksakten als wertvolle historische Quelle und geht auf die für ihren langfristigen Erhalt erforderlichen Maßnahmen ein – die Reinigung, das Entfernen von Metallteilen wie Büroklammern und Tackernadeln sowie das Umverpacken. Die Akten umfassen die Baugenehmigungsvorgänge Gelsenkirchener Industriebetriebe mit ca. 3.000 Aktenordnern auf 200 Regalmetern. Bauanträge, technische Zeichnungen und statische Unterlagen von 1866 bis 2006 dokumentieren dicht und fast lückenlos die verschiedenen Phasen der Industrialisierungs- und Industriegeschichte zwischen Rhein, Ruhr und Emscher. Die Vielfalt der Bauakten geht über Industrieanlagen wie Fördergerüste, Hochöfen oder Gasometer hinaus und umfasst Arbeiterunterkünfte, Milchausgabestellen, aber auch Zwangsarbeiterlager. Sie beinhalten weit mehr als Bau- und Technikgeschichte. Lenzen betont die besondere Qualität der in den Akten enthaltenen Pläne. Dadurch bleibt die Funktionsweise der industriellen Infrastruktur bis ins Detail nachvollziehbar, auch wenn Bauten schon lange verschwunden sind.
Die KEK koordiniert als Bund-Länder-Projekt den Originalerhalt von schriftlichem Kulturgut. Seit 2023 konnte das ISG jährlich mit einem Werksakten-Antrag im BKM-Sonderprogramm überzeugen, so dass dem Gelsenkirchener Projekt bei 50%iger Förderung insgesamt 35.500 Euro beschieden wurden. Seit 2024 ermöglichen Fördermittel der Landesinitiative Substanzerhalt (LISE) des Landes Nordrhein-Westfalen zudem eine Aufstockung des Eigenanteils mit in der Summe bislang ca. 17.000 Euro. So konnten in den letzten vier Jahren insgesamt 76.000 Euro bereitgestellt und bereits mehr als 60 % der Werksakten bearbeitet werden, so das positive Zwischenfazit des Instituts für Stadtgeschichte.
Der Jahresbericht 2024/2025 der KEK mit der Reportage „Mit Werksakten ins Herz der Stadt“ über das Werksakten-Projekt des Instituts für Stadtgeschichte ist online verfügbar: https://www.kek-spk.de/publikationen#_025.
Abbildungen im Anhang:
1 Lagerung von Werksakten im Archivmagazin -¬ rechts vor der Bearbeitung, links nach Reinigung und Umverpackung
2 Werksakte zur Errichtung einer Seilbahn der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch, 1932
Bildnachweis: Alexander Labrentz, nilo – Agentur für Fotografie
Quelle: Stadt Gelsenkirchen. Diese Meldung wurde im Wortlaut der herausgebenden Stelle wiedergegeben. Original lesen ↗